Distanz -
Aufstieg -
Abstieg -

Während unseres Februar-Retreats verbrachten wir den zweiten Tag mit einer Wanderung durch tiefen Schnee. Es gab Regen, es gab Wind. Das war unsere Gehmeditation. Aber war es eine gute Wanderung?

Oft meinen wir mit dem Wort „gut" eigentlich „angenehm für mich". Und „schlecht" bedeutet „unangenehm für mich". Es klingt wie eine Aussage über die Welt, aber es ist nur persönliche Vorliebe.

Auf dem Weg zum Berg, am frühen Morgen vor Sonnenaufgang, nehmen wir vielleicht ‚kalt’ wahr. Normalerweise verkomplizieren wir diese Wahrnehmung sofort mit einer Bewertung. Zum Beispiel: ‚Das ist unangenehm’. Dann, beim Aufstieg, nehmen wir vielleicht ‚heiss’ wahr. Und wieder entsteht genauso schnell ein weiterer Gedanke: ‚Das ist noch schlimmer!'.

Wenn wir nicht aufpassen, verweilen wir bei diesen Gedanken und beginnen, uns eine Geschichte zu erzählen. Je mehr wir darüber nachdenken, desto stärker wird die Geschichte: ‚Das ist schlecht, warum mache ich das überhaupt? Ich könnte zu Hause sein, gemütlich in meinem Bett!'.

Doch während eines Zen-Retreats nehmen wir diese Momente als unsere Freunde, als hilfreiche Gelegenheiten, nicht als Probleme. Wir schauen sorgfältig und tief in unser Selbst. Wir können den Gedanken als das erkennen, was er ist — nur ein Gedanke. Wenn es kalt ist, ist es kalt. Wenn es heiss ist, ist es heiss. Kein Problem. Jeder Moment ist genau so!

Was macht eine Wanderung ‚gut’? Nicht der Komfort. Nicht die Aussicht vom Gipfel. Eine Wanderung ist gut für unsere Praxis, wenn sie uns die Gelegenheit gibt, in die Natur unseres Geistes zu schauen. Und diese Wanderung hat uns reichlich davon geschenkt.

Nehmt nicht einfach mein Wort dafür. Ich ermutige Sie, es selbst zu untersuchen! Wenn Sie nicht wandern gehen können, arbeiten Sie damit:

Hekiganroku, Fall 43: Tōzans „Weder Kälte noch Hitze"

Ein Mönch fragte Tōzan: „Kälte und Hitze kommen über uns. Wie können wir ihnen entgehen?"

Tōzan sagte: „Warum gehst du nicht dorthin, wo es weder Kälte noch Hitze gibt?"

Der Mönch fragte: „Wo ist der Ort, an dem es weder Kälte noch Hitze gibt?"

Tōzan sagte: „Wenn es kalt ist, lass es so kalt sein, dass es dich tötet; wenn es heiss ist, lass es so heiss sein, dass es dich tötet."